"Von der Freundlichkeit der Menschen"
Von der Freundlichkeit der Menschen
Das war in London. Obgleich ich von der Freundlichkeit der Menschen erzählen will, fängt meine Geschichte mit einer ziemlich unfreundlichen Tatsache an: nämlich, dass mir dort in einem großen Warenhaus meine Handtasche gestohlen wurde.
Nun, auch der Brief war schon etwas brüchig, denn ich trug ihn immer mit mir herum.
Die Handtasche wurde mir also gestohlen. Wahrscheinlich hatte der Dieb im Gedränge die Lederschlaufe abgeschnitten, anders war es gar nicht möglich.
Der Geldverlust war zwar für mich erheblich, aber darauf kam es mir gar nicht mehr so sehr an - unersätzlich war das Foto.
Wie gesagt: in der Handtasche war auch mein Journalistenausweis mit Namen und Adresse. Und zwei Tage später bekam ich einen Brief. Darin war die Fotografie von Bernt, der Brief seines Kommandanten. Und ein Zettel, auf dem mit Blockbuchstaben geschrieben stand:
mein Bruder war auch ein Flieger ..."
Ob mir ein Mann oder eine Frau die Handtasche gestohlen hat, habe ich nie erfahren. Ich weiss nicht, ob es ein Gewohnheitsdieb gewesen ist oder ein armer Teufel, der verzweifelt Geld brauchte. Jedenfalls war es jemand, der um das Schicksal des Bruders einmal genauso gezittert hatte, wie ich um Bernt.
Die Tatsache, dass der Unbekannte die Tasche mit Geld und Wertgegenständen behalten hat, lässt sich nicht ableugnen. Nun, es war ein Dieb. Aber es war auch ein Mensch voller Einsicht und Freundlichkeit, der mir freiwillig zurückgab, woran mein Herz hing:
... die vergilbte Fotografie ...