Der letzte Tag / Der Holzkraftwagen (2)
Der letzte Tag
Dies ist die wahre Geschichte eines chinesischen Geschäftsmannes, der mit sich selbst, seinen Beziehungen und mit seinem Geschäft mehr als unzufrieden war. Seine Frau wollte sich von ihm trennen,
sein Geschäft war verschuldet, und er war müde seiner Kraft- und Mutlosigkeit. Als er eines Abends Bilanz über sein Leben zog, beschloss er, sich am übernächsten Tag umzubringen. Nach diesem
Entschluss sah er dem nächsten und letzten Tag in seinem Leben gelassen entgegen.
Sein letzter Tag brach an. Froh über das nahe Ende seines Leidens, genoss er an diesem Tage in Ruhe sein Frühstück und fand sogar liebe und lobende Worte für seine Frau. Heiter verabschiedete er sich und machte noch einen Umweg zu seinen alten Freunden, für die er schon Jahre keine Zeit mehr hatte. Zu jedem sprach er gütige, wohlwollende Worte, hatte Zeit und ein Ohr für ihre Probleme, auch ein stilles, ruhiges Lächeln für jeden. Er genoss die Morgensonne auf dem Weg ins Geschäft. Dort nahm er sich seiner Kunden ganz besonders herzlich und fair beratend an. Frei jeglicher Verkaufserwartung präsentierte er seine Produkte mit großer Rücksicht auf den wirklichen Bedarf der Kunden.
Als er am Abend Kasse machte, stellte er fest, dass an diesem Tag ein riesiger Gewinn gemacht worden war. Zu Hause empfing ihn seine Frau wie in den Anfangszeiten seiner Ehe und servierte ihm sein Lieblingsmahl mit größter Aufmerksamkeit. In der kommenden Nacht erkannte er, dass es eigentlich keinen Grund mehr für seinen geplanten Selbstmord gab.
Der Grund dafür war: Er hatte seine Einstellung zum Leben geändert; und das Leben hatte es ihm gedankt. So beschloss er, von nun an jeden Tag als seinen "letzten Tag" auf Erden zu leben.

Der Holzlastwagen
Es war einmal... in einer Zeit, als die Menschen noch nicht so viel Technik kannten, da lebte in einem kleinen Ort eine Familie – Vater, Mutter und ein 7jähriger Sohn.
Rolf, so hieß dieser Junge spielte gern mit dem Spielzeug, was ihm sein Vater angefertigt und geschenkt hatte. Dabei war auch ein Holzlastwagen, den der Vater in vielen Stunden für ihn gebaut hatte, und es war eine reine Freude zu sehen, mit welcher Lust Rolf damit spielte. Er belud ihn unermüdlich mit Sand oder Steinen und erfreute sich daran, diese Last dann an anderer Stelle wieder zu entladen.
Bis zu jenem Tag, wo er die Idee hatte, sich selbst auf das Auto zu setzen. Vorsichtig stieß er sich dabei mit den Füßen ab, rollte langsam auf seinem Lastwagen den Weg entlang und jauchzte dabei, so viel Freude machte ihm diese Fahrt. Plötzlich knirschte es fürchterlich und die Hinterräder brachen ab ... Rolf hielt inne, stieg vom Lastwagen herunter und als er das Malheur bemerkte, standen dicke Tränen in seinen Augen. Wie sollte er dies seinem Vater erklären?
Rolf nahm den Lastwagen und die abgebrochenen Räder in die Hand, barg sie dicht an seiner Brust und lief ziellos in den nahe gelegenen Wald. Er wusste nicht, wohin er gehen sollte, wusste nur, dass er Angst davor hatte, nach Hause zu gehen. So viel Scham fühlte er, dass er sich mit seinem kaputten Auto nicht nach Hause traute.
Einsam setzte er sich auf eine Baumwurzel, die ihm begegnete, und dicke Tränen rannen seine Wangen hinunter. Wo sollte er jetzt hingehen? Was sollte er tun?
Langsam zog die Dämmerung über den Himmel und plötzlich fühlte Rolf etwas ganz zartes und weiches an seiner Hand. Als er hinschaute, konnte er nichts erkennen, dieses Gefühl, dass ihn da jemand ganz sacht an die Hand nahm, blieb jedoch.
„Hab keine Angst, mein lieber Rolf!“, hörte er plötzlich ein zartes Stimmchen. „Ich bin bei dir!“
Suchend sah sich Rolf um, konnte aber niemanden entdecken. Aber das Gefühl, dass jemand seine Hand hielt, hielt an.
„Du kannst mich nicht sehen“, sagte die Stimme, „nur fühlen. Aber ich bin da – da für dich!“
„Wer bist du?“ fragte Rolf.
„Ich bin dein Helfer. Ich helfe dir in deiner Not! Ich bin bei dir! Vertraue mir einfach.“
„Und wie kannst du mir helfen? Kannst du meinen Lastwagen reparieren?“
„Nein, das kann ich nicht.“ erwiderte die Stimme. „Aber ich kann dich beschützen und dir Mut machen, dass du zu deinem Vater gehen und ihm erzählen kannst, was passiert ist. Weil es nicht schlimm ist, was geschehen ist, weißt du. Wenn du magst, nehme ich dich an die Hand und wir gehen zusammen zu dir nach Hause, wo dein Vater schon voller Sorgen auf dich wartet. Sei dir ganz sicher, ich halte dich und verspreche dir, das nichts Schlimmes passiert. Wäre das gut für dich?“
„Ja.“ sagte Rolf, der in seinem dünnen Hemd in der einbrechenden Dämmerung schon ein wenig fror.
„Dann komm, lieber Rolf“ sprach die Stimme und Rolf fühlte, dass die Hand ihn sanft fort zog. Er stand auf und es fühlte sich gut an, dass er von diesem unsichtbaren Wesen geführt, langsam nach Hause ging.
Als sie vor der Haustür standen, fühlte Rolf, wie sich die Arme des Wesens behutsam um ihn legten. „Hab keine Angst“, flüsterte die Stimme und dann ging die Tür auf und sein Vater schloss ihn in die Arme.
„Schön, dass du wieder da bist, Rolf“, sagte er.
„Ich habe das Auto kaputt gemacht“, sagte Rolf und erneut kullerten dicke Tränen über sein Gesicht.
„Das ist doch nicht schlimm, mein allerliebster Sohn. Wichtig ist nur, dass du da bist! Alles andere lässt sich leicht reparieren! Ich liebe dich!“
Zärtlich nahm er seinen Sohn auf den Arm und betrat mit ihm das Haus.
„Siehst du“, flüsterte die Stimme des unsichtbaren Wesens, „alles ist jetzt gut. Und ich bleibe immer bei dir! Ich beschütze dich überall, wo du bist!“
(Verfasser unbekannt)