Die Idee, eine homepage zu erstellen
Wie ich darauf kam, eine eigene homepage zu erstellen, kann ich gar nicht so genau sagen - oder aber eigentlich doch: die Idee war plötzlich da und ich habe spontan angefangen, sie umzusetzen. Ich hatte jedoch keinen Plan, wie ich es anstelle, geschweige denn, wie ich sie aufbaue. Nur das Thema war so sicher wie nix: sex. Missbrauch in der Kindheit und mein Umgang mit den Erinnerungen.
Ich muss dazusagen, ich hatte ein großes handicap: ich hatte vor ca. 5 Jahren einen Kurs belegt, indem wir gelernt haben, eine Webseite aufzubauen - doch seitdem habe ich mich nie wieder damit beschäftigt - also musste ich mich erstmal wieder da reinfinden, was gar nicht mal so einfach war, wenn man sich nicht (mehr) konzentrieren kann ... und Geduld war noch nie meine Stärke. Erschwerend hinzu kam, dass ich nicht eine Unterlage aus diesem Kurs mehr hatte ... mein Hang zu Herausforderungen kam mir da gerade gelegen.
Jedenfalls hat es irgendwie hingehauen, ohne dass ich jemanden um Hilfe bitten brauchte - doch fertig mit der Seite bin ich noch nicht.
Was für eine hp mit diesem Thema wichtig ist oder sein könnte = ebenfalls keinen Schimmer, da ich Seiten von Betroffenen noch nie aufgesucht hatte - mir war es zu heftig, deren Geschichte zu lesen, ohne sie zu kennen. Wenn ich jemanden, der ähnliches erlebt hat, VOR mir sitzen habe, ist es einfacher für mich, damit umgehen zu können, denn dann kann ich reagieren, wenn es demjenigen nicht gutgeht. Außerdem wollte ich meinen eigenen "Stil", mich also nicht irgendwie durch andere Seiten beeinflussen lassen.
Gewisse Recherchen im Netz waren natürlich nicht zu vermeiden - denn wenn ich Informationen weitergeben möchte, muss ich auch entsprechende Adressen anbieten können. Das Recherchieren war ehrlich gesagt schon ein ordentlicher Kraftakt ... es wurde mir da noch einmal so richtig bewusst, was da in einem, also auch in mir, zerstört worden ist!
Durch Einträge in mein Gästebuch blieb es natürlich nicht aus, dass ich auch auf Seiten von Betroffenen landete - denn erstens mache ich einen Gegenbesuch alleine schon aus Höflichkeit und Respekt - außerdem habe ich ein Gästebuch, in dem ich auch auf Einträge antworten kann - also möchte ich nicht irgendetwas schreiben, sondern auch die Menschen ein wenig kennen.
Anfangs hat es mir mächtig Angst gemacht, wenn ich auf meiner eigenen hp war, um zu sehen, ob und wie neue Artikel wirken, und bemerkt habe, dass zur gleichen Zeit jemand zu Besuch auf meiner Seite war ... ich hatte das Gefühl, BEOBACHTET zu werden ... ein Gefühl, was ich schon fast mein Leben lang habe, aber nie bewusst wahrgenommen habe = dieses Gefühl war für mich normal, da ich damit aufgewachsen bin.
Auch die Wirkung meines Gästebuches auf mich habe ich nicht bedacht: okay, ich habe mit netten Grüßen gerechnet ... aber nicht mit Anerkennung ... und wenn ich ehrlich bin: mit Lob habe ich grundsätzlich ein Problem, auch das Gefühl, im Mittelpunkt zu stehen, macht die Sache nicht gerade einfach. Abgesehen von den mails, die ich fast täglich bekomme, wenn jemand nicht öffentlich in ein Gästebuch schreiben mag ... es ist mir nicht nur unangenehm, wenn Andere etwas Besonderes in mir sehen, es macht mir, je nachdem, wie es mir geht, anständig Angst. Hinzukommt noch, dass auch andere Besucher diese Einträge, also Anerkennungen lesen - genau die Art Mittelpunkt, ist mir unheimlich. Oft spiele ich dann mit dem Gedanken, das Gästebuch komplett zu entfernen ... aber dann ist diese Stimme wieder da, die sagt: "Lass es, wo es ist ... es könnte für den ein oder anderen Betroffenen ein Ansporn sein, vielleicht auch eine hp zu erstellen, um die eigene Vergangenheit zu verarbeiten ... und für dich selber ist es auch ein Schritt in dein neues Leben - du kannst hier lernen, alte Schwierigkeiten in eine neue Richtung zu lenken."
Ferner weiß ich ja: ICH alleine entscheide, wann ich mir neue Einträge ansehe, also auch beantworte - eine weitere Möglichkeit, zu lernen, auf mich zu achten.
Mittlerweile komme ich einigermaßen damit klar - okay, es gibt Tage, an denen es mir nicht gut geht, sich aber positive Einträge häufen = geballte Ladung praktisch - und ich habe ordentlich zu tun, Vergangenheit und Gegenwart zu trennen - diese Anerkennungen auch für mich annehmen zu können. Vor gar nicht allzu langer Zeit wäre dies für mich noch undenkbar gewesen ... heute ist es wenigstens schon so, dass zwar ein Teil meines Kopfes sagt: sie können dich nicht meinen, DU bist ein schlechter Mensch ... der andere Teil widerum sagt: doch, sie meinen dich und du weißt auch, dass du nicht schlecht bist. Dann fangen beide Teile in mir an zu diskutieren und zu kämpfen ... GOTT SEI DANK siegt irgendwann die GEGENWART ... ein Zustand, an den ich mich auch erstmal gewöhnen muss!!!
Etwas, woran ich mich bestimmt nie gewöhnen werde, ist, dass mir fremde Menschen sich bei mir BEDANKEN, für das, was ich mache ... ich bin unendlich beschämt: es wird sich bei mir für etwas bedankt, was für mich selbstverständlich ist = für mich ist das, was ich mache nichts besonderes, da ich das tue, was mein Herz mir sagt!!!
Inzwischen haben sich mit Gästen meiner hp sogar schon kleine online-Freundschaften entwickelt - womit ich natürlich auch nicht gerechnet habe. Regelmäßige e-mails mit sehr schönen mitgesandten Dateien sind schon an der Tagesordnung, was nicht heißt, dass ich diese als Selbstverständlichkeit nehme = ich freue mich immer wieder auf´s neue und bin dankbar dafür - bei manchen habe ich wirklich schon das Gefühl, sie persönlich und schon länger zu kennen, obwohl es ja "nur" virtuelle Freunde sind. (Erstaunlicherweise habe ich sogar das Bedürfnis, diese Menschen irgendwann einmal persönlich kennenlernen zu wollen, vorausgesetzt natürlich, dieser Wunsch besteht auf beiden Seiten. Mir wurde dies bereits von einigen angeboten, da sie das gleiche Gefühl haben ... aber noch brauche ich Zeit, um diesen Schritt gehen zu können.)
Aber vielleicht ist auch genau DAS der Weg, den Kontakt zu Mitmenschen irgendwann wieder aufnehmen zu können. Erstmal so, auf Abstand ... um dann, in hoffentlich naher Zukunft, wieder reellen Kontakt zu meinen realen Freunden/Bekannten aufnehmen zu können!?
Was für mich ebenfalls positiv an meiner eigenen homepage ist: ich habe wieder Interesse an MENSCHLICHEN Dingen - meine "Bastel-Lust" ist geweckt: dies war auch verdammt nötig, da ich jetzt etwas habe, womit ich mich ablenken, also auch entspannen kann! In Kliniken, wo dies u.a. zu den Therapien gehört, war das kein Thema: da habe ich mich durch andere davon anstecken lassen - aber dies auch zu Hause weiter umzusetzen: Fehlanzeige! Außer: Socken stricken: das habe ich mir vor ein paar Monaten mit Hilfe eines Buches selber beigebracht. Doch jetzt habe ich wieder tausend Ideen im Kopf (neben meinen tausenden Bienen, die den Eingang nicht finden), doch erst möchte ich meine hp soweit fertig haben, sprich: wenn ich es geschafft habe, meine Geschichte (endlich) mal zu Ende zu schreiben - doch DAS macht mir anständig Schwierigkeiten, worauf ich aber in einem eigenen Artikel näher darauf eingehen möchte. Zwischendurch mache ich also nur kleine Basteleien ... diese zu perfektionieren, kann warten ... hey, sie "können" warten - was ist das für ein neuer Blickwinkel? So hart und heftig die Erinnerungen und die Arbeit daran auch sind - es tun sich mir Wege auf, die ich für mich nie für möglich gehalten hätte!!!
Zusammengefasst kann ich sagen: die Entscheidung, eine website zu erstellen war richtig ... sie eröffnet mir neue Wege ... wieder eine Bestätigung, dass meine innere Stimme weiß, was gut für mich und mein Inneres Kind ist.