Bedrohung oder Hilfe?

Veröffentlicht auf von Gefangener-Engel

(Übertrag vom 29. August 2008)

 

Eigentlich fing der Tag verhältnismäßig gut an: ich habe diese Nacht einigermaßen schlafen können!!!

 

Uwe war mal wieder so lieb, mir einen Weg abzunehmen - er macht und tut ALLES, um mir wieder auf die Beine zu helfen ... ohne Berechnung und NIE ist ihm irgendetwas zuviel!!!

 

Heute war er bei meinem Hausarzt, der mich schon seit meinem 11. Lebensjahr kennt ... ein wirklich GENIALER Arzt, vor allem, weil er MENSCH geblieben ist. Welcher Hausarzt macht heute noch Hausbesuche? Als vor zwei Jahren meine Erinnerungen kamen, kam er sogar NACHTS um 23.30 Uhr zu mir nach Hause ...

 

Jedenfalls war Uwe also heute in der Praxis, um mein Rezept (und Überweisung zur Psychotherapie) abzuholen - und hat mir mal wieder alles auf die Fußmatte legen müssen, da ich nicht in der Lage bin, jemandem die Türe zu öffnen.

 

20 Minuten später klingelt mein Handy = Praxis Dr. Spitzbarth! Die Arzthelferin sagte, der Doktor möchte mich heute zu Hause besuchen, da er gehört hat, dass es mir zur Zeit (wieder) nicht gut geht ...

 

... mein erstes Gefühl: PANIK ... alleine der Gedanke, es kommt jemand in meine Wohnung, in meine "Höhle" ... ich fühle dann nur BEDROHUNG PUR. Gedanken wie: ich habe was falsch gemacht ... dafür werde ich "bestraft" ... ich enttäusche ALLE ... ich bin nichts wert ... dir wird mal wieder für irgendetwas die Schuld gegeben ...

 

... ein Teil meines Kopfes sagt mittlerweile Gott sei Dank: es ist alles in Ordnung, Claudia - das sind nicht SOLCHE Menschen, die dich kaputtmachen wollen ... DAS sind Menschen, die hinter dir stehen, für dich da sind ... die dir helfen möchten ...

 

... doch dieser Kampf, Vergangenheit und Gegenwart zu trennen, weil ich das Gefühl habe: ich denke mit zwei Köpfen ... ich fühle mit zwei Seelen = bildlich gesehen, hänge ich in einer Felsspalte: weiß weder, wie ich sie hochklettere, noch ob ich diese Felsspalte dann rechts oder links verlassen soll ... WO droht mir am wenigsten GEFAHR?

 

Das zweite Problem ist: die Zeit überbrücken, bis der Doc dann kommt ... dies sind Stunden, in denen diese Ängste und Gedanken Zeit haben, weiter zu wachsen - wäre es so, dass es geheißen hätte: er kommt JETZT vorbei, wäre dies immer noch schlimm gewesen, aber die Gefahr, dass ich diese verdammten Gefühle weiter ausbreiten können, wäre weitaus geringer.

 

Ich habe allerdings auch gesagt: der Doktor muss damit rechnen, dass ich kurzfristig absage - eben weil diese Angst so groß ist, dass alleine der Gedanke, gleich ist jemand HIER, unerträglich wird ...

 

... ich sage mir ja selber: boah, Claudia, sei doch vernünftig: er möchte dir doch nur helfen - es wird mit Sicherheit nur gut für dich sein ...

 

... doch für Vernunft ist durch diese unerträgliche Angst KEIN Platz in meinem Kopf - also kann diese auch nicht ARBEITEN!

 

Der "gesunde" Teil von Kopf und Seele findet es ÜBERWÄLTIGEND, dass er einen Hausbesuch macht, OHNE darum gebeten worden zu sein ... doch bei mir entsteht direkt wieder dieses Gefühl: etwas "Besonderes" zu sein, obwohl das ja eigentlich, aus Sicht eines "normalen" Menschen absoluter Blödsinn ist. Ich WOLLTE und WILL nie etwas Besonderes sein: für den "Nachbarn" war ich immer etwas "Besonderes" ... "sein" kleines Mädchen eben!!! In meiner Familie hieß und heißt es immer: ich hielte mich für etwas BESSERES ... nur weil ich nicht so denken, fühlen und handeln konnte wie sie - ich kann nun mal Probleme und Sorgen meiner Mitmenschen nicht so einfach ignorieren = ich weiß, was es heißt, wenn man HILFE BRAUCHT, und wenn es "nur" zuhören ist, halt das Gefühl vermitteln: hey, du bist nicht ALLEINE ...! Wie oft werde ich dann ironisch "Mutter Theresa" von meiner Familie genannt, und das nur, weil ich nach dem handle, was mein Herz mir sagt!!! Aber ich möchte mich niemals mit dieser für mich absolut HEILIGEN FRAU auf EINE Stufe stellen lassen wollen = Ihr wollt mir wehtun, bitte - doch beschmutzt nicht den Namen Mutter Theresa´s mit Eurer Ironie!!!

 

WAS ist daran SCHLECHT, einen Teil dazu beizutragen, dass sich ein Mitmensch BESSER fühlen kann ...?

 

Ich verstehe den Teil dieser Welt der "Normalen" nicht ... diese Kälte macht mir Angst!!!

 

Und doch stelle ich alles, was ich mache, denke und fühle in Zweifel - was für mich wiederum auch bedeutet: in diesen Momenten versuche ich ja selber gegen mein Herz zu arbeiten!? Diese verdammten Widersprüche in mir machen mich fertig!

 

Ich muss zusehen, dass ich den GESUNDEN Teil meines Kopfes und meiner Seele "aktiviere" ... damit ich gegen Abend meinem Doc die Türe öffnen kann!!!

 

Ich warte nun auf den Anruf meiner Therapeutin: sie hat die RICHTIGE Art, den kranken Teil in mir zu verarzten, damit der gesündere Teil anfangen kann, diesen wieder ein wenig zu heilen.

 

Ich MÖCHTE diese scheiß (Wohnungs-)Türe aufmachen können,

um Hilfe hereinlassen zu können!!!


Werbung

Veröffentlicht in gZ sZ

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post